Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 19. Mai 2012

Pfarrer Volker Fritz, Waldbronn / Karlsbad


Wochenspruch: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh. 12, 32)


Liebe Schwestern und Brüder,
zwischen Himmelfahrt und Pfingsten,
zwischen Himmel und Erde.

Was ist oben und was unten?
Müssen wir das wirklich erklären?
Auch unsere Alltagssprache unterscheidet nicht zwischen symbolisch–bildlich und real.
Die da oben ...
oder wenn Sie im Auto sitzen, die Scheibe runterkurbeln und hochschauen zur Obrigkeit, die Ihnen eine Verkehrswidrigkeit – der Volksmund sagt Verkehrssünde! – nachweist …
Also – wir benützen die Begriffe schon immer auch als Bilder für eine andere Wirklichkeit.

Zurück zu Himmelfahrt
Wer vom Himmel redet, der träumt … (so oft der Vorwurf)
oder er schaut in eine erhoffte, weite Zukunft … vielleicht im Vertrauen auf Verheißungen.

"Himmlisch" nennen wir, was uns übermenschlich, neudeutsch "gigantisch" erscheint.

Kaum mit unseren Sinnen zu erfassen, oft genug weit weg, wenig greifbar, allenfalls erahnbar – manchmal wie im Rausch.
Wie mag es den Jüngern Jesu ergangen sein, als sie sich von Jesus trennen mussten?
Der, der ihnen Gott und den Himmel so nahe brachte wie sonst keiner, lebt nicht mehr in Menschengestalt unter ihnen.

"Weißt Du, wo der Himmel ist, außen oder innen?
Eine Handbreit rechts und links, Du bist mitten drinnen."

So weiß es ein Kirchentagslied, das vielleicht auf dem Katholikentag in Mannheim in diesen Tagen wieder gesungen wird.
Himmelfahrt will uns daran erinnern:
In Jesus Christus ist uns der Himmel ganz nahe gekommen, denn in Ihm hat Gott ein menschliches Gesicht bekommen, und schaut uns an – auch durch jeden und jede unserer Mitmenschen.

Die Nähe des Himmels, um die wir in jedem Gottesdienst bitten, wenn wir im Vaterunser beten: "Dein Reich komme", diese Nähe ist mit Jesus Christus greifbar nahe, ja der Himmel auf Erden … – so Jesus in vielen seiner Gleichnisse – hat bereits begonnen.
Himmelreich – Gottesreich – Gottes Herrschaft

Und danach sehnen sich viele Christen, auch wir, hier und an vielen Orten, dass unser Leben himmlischer werde.
Im Krankenhaus, in dem ich arbeite, bedeutet das: ein Leben mit weniger Leid und Schmerz, mit weniger Lasten.

Und der Himmel ist uns ja verheißen,
das Himmelreich, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen,
das ist die Botschaft Jesu:

Der Schweizer Pfarrer Kurt Marti hat es in diesen Liedversen aufgeschrieben:

1. Der Himmel, der ist,
ist nicht der Himmel, der kommt,
wenn einst Himmel und Erde vergehen.

2. Der Himmel, der kommt,
das ist der kommende Herr,
wenn die Herren der Erde gegangen.

3. Der Himmel, der kommt,
das ist die Welt ohne Leid,
wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

4. Der Himmel, der kommt,
das ist die fröhliche Stadt
und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

5. Der Himmel, der kommt,
grüßt schon die Erde, die ist,
wenn die Liebe das Leben verändert.

Und in Jesus Christus hat diese Liebe das Leben vieler Menschen zu allen Zeiten verändert, ihnen Trost und Zuversicht gegeben.

Und in diese Zeit hinein das Christuswort:
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Das Wort steht an einer entscheidenden Stelle im Johannesevangelium.
Sein öffentliches Verkünden hat Jesus nach Jerusalem gebracht, Juden und „Heiden“ fragen nach ihm. Kurz zuvor war er unter dem Jubel– und Festgesang der Pilger eingezogen in Jerusalem.
Kommentar der Machthaber, denen es augenscheinlich nur um Ruhe im Land ging:
Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. (V.19)
Jesus weiß – ahnt? – : Seine Zeit ist gekommen.

Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt
und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (V.23f)
Es sind freundlich umschreibende, ja geradezu verschleiernde Verben, die Johannes Jesus in den Mund legt.
Verherrlicht werden – das meint ebenso wie erhöht werden – den ganzen Leidensweg Christi.
Durch den Tod zur Auferstehung.
Wem zugute? Cui bono?
Versuchen wir nicht, Karfreitag und Ostern zu erklären, hören wir auf Jesu Worte, wie sie uns Johannes überliefert: "Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen."

Christus – und in Ihn Gott – nimmt uns mit, hält an der Verbindung zwischen Ihm (Gott / Christus) und uns fest, durch das Kreuz (Leid, Krankheit, Scheitern … ), durch den Tod (Sprach– und Leblosigkeit in Beziehungen, Verzweiflung … ) zu Neuem Leben, – in Seinen Himmel.

Diesen Himmel meint Jesus wohl, wenn er zu dem Schächer am Kreuz spricht: "Wahrlich, ich sage dir: Heute [noch] wirst du mit mir im Paradies sein. (Lk 23, 42)

Aus dem Kampf mit den destruktiven Mächten, den gottfernen, unser Leben bestimmenden Regeln dieser Welt, geht Christus, und in Ihm Gott, als Sieger hervor.
Und – das ist die Verheißung – wir gehen nicht unter, sondern Er zieht uns zu sich, hält die Verbindung – zu Neuem Leben.

Die Erfahrung von Himmelfahrt in den Bildern von Jesus Christus, der nahe ist und doch noch ferne, haben ihr Ziel in dem Bild, das uns die Offenbarung malt: Gott wohnt unter uns, oder mit Kurt Marti gesprochen:

3. Der Himmel, der kommt,
das ist die Welt ohne Leid,
wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

4. Der Himmel, der kommt,
das ist die fröhliche Stadt
und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

5. Der Himmel, der kommt,
grüßt schon jetzt die Erde, die ist,
wenn die Liebe das Leben verändert.

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Amen.

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