Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 14. Juli 2012

Pfarrer Volker Fritz, Waldbronn / Karlsbad


Wochenspruch: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes. 43, 1)

Jesaja 43, 1 – 7

1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.
3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland…
4 weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe…
5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.


Liebe Schwestern und Brüder!

Dieses Prophetenwort ist hinein gesprochen in eine traurige, niedergedrückte Stimmung. Die Israeliten waren fern der Heimat, vertrieben von der siegreichen Großmacht, dem großen babylonischen Reich. Das Königreich Davids, die lange Dynastie, war sie ein für alle Mal beendet? Tempel und Königspalast von Jerusalem waren in Brand gesteckt. Die Mitte des Glaubens, des gottesdienstlichen Lebens, sie war zerstört, weg. Und Gott – wo sollten sie Ihn nun suchen? Wie könnten Sie Ihn jetzt anbeten? Und manchem mag der Gedanke gekommen sein: Hat Gott uns etwa vergessen?
Das Volk Israel befindet sich im Exil, unfrei – unerlöst. Ja, so klingt es in Psalmen:
„wenn Gott die Gefangenen Zions erlösen wird; dann werden wir sein wie die Träumenden."
Wenn Er erlösen wird – aber – noch singen sie:
„An den Wassern zu Babel sitzen wir und weinen, wenn wir an Zion denken.“ nach Psalm 137,1
Noch sitzen die Menschen im fremden Babylon.
Ist nicht alles sinnlos und leer – ohne Tempel, Jerusalem in Trümmern …?
Wie soll da Zukunft aussehen?
Die Bibel überliefert uns 2 Antworten.

Die eine besteht in dem großartigen Schöpfungslied im 1. Buch Mose mit dem Bekenntnis: Unser Gott, der Gott Israels ist der Schöpfer der gesamten Welt.
Und in diesem Lied wird uns von der Stiftung des 7. Schöpfungstages erzählt.
Und Gott ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. (Gen. 2,2b-3)
Eine heilige Zeit – Sabbat – Sonntag ersetzt nun den heiligen Ort – bis heute!
Ein Geschenk an Israel und die Völker. Ein Tag zum Innehalten, eine feste Zeit, die uns daran erinnert, woher wir kommen, wer wir sind, wem wir unser Leben verdanken.
Deshalb ist uns bis heute das Eintreten für den Sonntag, die Sonntagsruhe so wichtig.

Die zweite Antwort ist das Auftreten des Propheten, dessen Worte uns im Jesajabuch
ab Kapitel 40 überliefert sind. Er spricht in diese Situation des Leidens, der Not und des Fragens hinein, bricht diese Situation auf – heilsam auf.
Ein Wort von außen für diese Menschen, nicht aus Ihnen selbst: Gottes Wort.
Das tut auch uns manchmal gut, wenn wir nicht nur in unseren eigenen Gedanken gefangen sind, wenn uns ein Wort der Bibel, wie z.B. aus den Herrnhuter Tageslosungen den Blick weitet, wenn Gottes Wort aus der Bibel uns trifft.
Ein Wort, mit dem Gott in Erinnerung gerufen wird.
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes. 43,1)

Die Geschichte, die Sein Volk mit Gott erlebt hat, die schon mit Abraham begonnen hat, eine Geschichte, in der Gottes Begleitung und Führung immer wieder erfahren wird:
Führung in neues Land, in neuen Raum zum Leben.
Sie nötigt zur lobenden Rückschau:
"Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." (Ps. 103,1+2)

Und aus der Erinnerung wird eine neue Zusage:
Wenn du durch Wasser gehst, werde ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.
Eine Erinnerung daran, Gott hat geführt, begleitet und gerettet:
durch das Schilfmeer vor den Ägyptern (Wasser).
Und Gott wird weiter führen:
Daniel und seine Freunde im Feuerofen, bewahrt angesichts der Anfeindung (Feuer) wegen des Glaubens an den Gott Israels.

Aber natürlich weiß auch der Prophet, kein Leben ist ohne Brüche, die Begleitung Gottes erspart nicht Situationen des Leids, der Dunkelheit.

Paul Gerhardt schreibt in seinem Lied, das wir nachher weiter singen:
Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzu sehr... EG 324,9
Er nennt Leid Strafe, geht davon aus, dass es von Gott geschickt ist.
Wobei dann doch die Frage ist, ob denn alles Leid von Gott kommt, oder nicht oft auch von denen, die sich für Gott halten, und das sind manchmal wir selbst!
Wenn Paul Gerhardt singen lässt:
Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzu sehr...
dann vielleicht doch auch in dem Sinne, dass Strafe das ist, auszulöffeln, was wir Menschen uns oft genug selbst eingebrockt haben.
Und unser Seufzen ist dann doch auch das Leiden an unserer menschlichen Unvollkommenheit.
Die Bibel nennt das Sündhaftigkeit – Sünde.
Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht... EG 324,10

Zurück zu unserem Text.
Er enthält eine der emotionalsten
Selbstaussagen Gottes, mit denen Er seine Fürsorge begründet:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen;
du bist mein! … weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe … So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.
(gilt Israel und uns)

Ohne die Liebe und Fürsorge Gottes für sein Volk Israels zu schmälern: Israel ist und bleibt Gottes erwähltes Volk.
Wir Christen haben in Jesus Christus die Möglichkeit, Gott nahe und greifbar zu erfahren. Als Mensch und in Menschen begegnet uns Gott, in Jesus Christus an den heiligen Zeiten – im Gottesdienst – ebenso wie im Alltag.
Oft sind es Menschen, durch die Gott uns nahe kommt.
Und mit Karfreitag und Ostern wird uns zugesagt:
Gott hat unsere Verstrickungen, unsere Unvollkommenheiten, unsere Sünde überwunden.
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Du – den Gott mit Namen kennt und anspricht, Du bist frei.
Ist dies nicht ein Grund zur Freude und zum Danken?
Und deshalb singen wir mit Paul Gerhardt:
Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.
Amen.

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