Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 1. Juni 2013

Pfarrer Wolfgang Scharf, Karlsruhe


Wochenspruch: Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Luk. 10, 16)

5. Mose 6, 4 – 9

4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.
5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.
6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen
7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.
8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein,
9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde!

‚„Er soll mich nicht auslachen!“ Immerzu wiederholte die Fünfjährige lauthals ihre Forderung, als sie auf die Kindergärtnerin zulief. Ihre Stimme kippte. Erst als sie sich ein wenig beruhigt hatte, konnte die Erzieherin ihre Worte verstehen: „Er soll mich nicht auslachen!“

Hilflos, wütend, verletzt – durch ein Auflachen des Spielkameraden. Wie würden Sie drei- bis fünfjährigen Kindern erklären, dass Worte, die man einander an den Kopf wirft, mindestens genauso wehtun, wie Bausteine?

Die Situation dieses Kindes, wie sie diese Geschichte das anschaulich beschreibt, ist gerade im Diakonissenhaus Bethlehem keine unbekannte Situation, sondern mancher unter Ihnen aus dem eigenen Berufsalltag, sei er gegenwärtig oder aus zurückliegenden Tagen, vertraut. Manche vergleichbare Geschichten würden Sie gewiss auch erzählen können. Sie wissen aus eigener Praxis oder dem Erzählen von Mitschwestern wie ein Kind in seiner Seele verletzt werden kann. Auch werden Sie von Ihrer Ausbildung her, ja mehr noch aus Erfahrung wissen, wie man mit drei- bis fünfjährigen altersentsprechend sprechen kann.

‚Wenn die Narben am Körper schon verheilt sind, ist manche Wunde in der Seele noch zu spüren – manchmal ein Leben lang. Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal ausgelacht wurden? Oder erinnern Sie sich eher an den abschätzigen Blick eines Menschen, um dessen Anerkennung Sie sich doch gerade so bemühen? Nicht nur Jugendliche machen mit solchen Blicken und abfälligen Gesten deutlich, wer dazugehören darf und wer unerwünscht ist. Auch Erwachsenen fällt es schwer, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen, wenn sie spüren, dass sie dadurch die anderen gegen sich aufbringen: Soll ich meine Argumente durchhalten – auch auf die Gefahr hin, dass mein Gesprächspartner unsere Unterhaltung mit einem vernichtenden Auflachen oder einer abschätzigen Geste beendet? Gut, wer dann wie ein Kind sich in die Arme der Kindergärtnerin flüchten kann, einen Freundeskreis aus Gleichgesinnten hat, sich nicht alleine, sondern aufgehoben weiß.

Die Gemeinde, aber auch Gemeinschaft wie sie hier in Bethlehem gelebt wird, sind Orte an denen wir uns im besten Sinne aufgehoben und geborgen wissen dürfen. Wir bedürfen solcher Orte, an denen wir Trost und Zuspruch, Orientierung und Wegweisung erfahren durch Gottes Wort selbst. Orte an denen Gottes Wort ausgesprochen und zugesprochen wird, damit uns die Zuwendung und Liebe Gottes in Jesus Christus deutlich und erfahrbar wird.

So haben die Jünger Jesu in der Nähe von Jesus, bei seinen Reden und seinen Wundern, seinen Gleichnissen und den Erfahrungen, die sie mit ihm machten, Zurüstung und Ermutigung erfahren. So konnte Jesus seine Jünger aussenden in die Welt, hin zu den Menschen. Die Jüngerinnen und Jünger blieben nicht für sich, separiert von den anderen. Ganz gezielt hat Jesus sie auf den Weg gebracht. Zu den Menschen sollten sie gehen, das Evangelium weitersagen, die Menschen an die Grundlage ihres Lebens und ihres Glaubens erinnern. In ihrer Person sollten sie Zeugnis dafür ablegen, dass Gott Mensch geworden und in Jesus Christus zu den Menschen gegangen ist.

Haben wir Boten in dieser Zeit, die einladen zu Gott und die erinnern an Gottes Wort und Gebot? Wie Worte sich einprägen können und Menschen in ihrem Leben negativ bestimmen, haben wir an den eingangs genannten Beispielen gesehen. Auch die guten Worte Gottes bedürfen der Einprägung. Denn manche Worte sind Fundamente. Die alttestamentliche Lesung aus dem 5. Buch Mose erinnert daran, dass es ein Bibelwort gibt, das jüdische Kinder schon mit vier Jahren auf dem Schoß ihrer Väter lernen. „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft.“ (5. Mose 6,4–5)

Worte haben prägende Kraft, auch heute noch in einer Zeit, die von Bildern geradezu überflutet wird. Als Lehrerinnen und Lehrer, als Erzieherinnen, als Väter und Mütter, manchmal auch als Großeltern, können wir solche prägenden Worte Gottes weitersagen. Und mit Gottes Hilfe im Heiligen Geist mögen sie sich in die Herzen von Kindern, aber auch von Erwachsenen senken.

Nicht als im Leben ausgelachte, sondern von Gott freundlich angeblickte Menschen dürfen wir uns erfahren. In so manchem schweren Leben darf sich die Erfahrung Bahn brechen, dass Christen aber auch auslachen dürfen: das Leid, die Not und den Tod. Denn Jesus Christus hat den Tod überwunden. Und Jesus Christus hat sich unser erbarmt. Unsere Not geht ihm wahrlich an die Nieren. Wie hat Gott nicht manche Not schon gewendet! Wie hat Gott nicht immer wieder Menschen die Kraft gegeben, um ihre Not durchzustehen!

Mögen Worte Gottes aus der Bibel uns immer wieder ganz persönlich ansprechen und uns die Nähe und Begleitung durch Gott spüren lassen. Und mögen wir Gottes Wort weitersagen und Botschafter an Christi Stelle sein. Denn eine große Verheißung hat ER darauf gelegt, wenn er sagt: „Wer euch hört, der hört mich!“

So lasst uns einander dies zusingen mit dem nächsten Lied: "Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen. Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt."

Und der Friede, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn und Heiland.
Amen.

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