Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 20. Juli 2013

Pfarrer Wolfgang Scharf, Karlsruhe


Wochenspruch: Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Eph. 5, 8b–9)


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde!

Das heutige Datum ruft Erinnerungen wach. Mancher unter Ihnen hat diesen 20. Juli 1944 bewusst selbst erlebt und auf unterschiedlichen Wegen dann von den dramatischen Ereignissen dieses Tages gehört. Es war – so sagen wir über diese Zeit – eine dunkle Zeit in unserem Land und Volk. Damit ist nicht alles und jedes in Bausch und Bogen verurteilt. Denn die einzelnen Menschen – junge Menschen zumal – haben diese Zeit ja als die Zeit ihrer Jugend erlebt, die ganz gewiss trotz des tobenden und auch im eigenen Land immer handgreiflicher werdenden Krieges nicht nur dunkle Zeiten und Tage für sie persönlich waren.

Ich bin dankbar, dass es damals Menschen gab, die sich auch aus ihrer christlichen Verantwortung für ihr Leben und ihr Volk als Kinder des Lichts erwiesen haben. Viele von ihnen haben einen hohen Preis für ihren aufrechten Gang und ihren Widerstand gegen die Diktatur zahlen müssen. Ihr Handeln kostete oft ihr Leben und bliebt oft auch für ihre Angehörigen nicht ohne Folgen.

Wenn wir heute miteinander über den Wochenspruch der vor uns liegenden Woche nachdenken, dann denken wir eben auch an jene Männer und Frauen, die oft so ganz selbstverständlich – wenn auch nicht ohne Ringen – zum Licht in der Welt wurden und in ihrem Handeln Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit lebten.

Doch schauen wir auf den biblischen Text, werden dabei ganz einfältig wie Kinder, die vieles was sie umgibt, sehr unmittelbar erleben. Den Kindern kommt von Jesus her eine hohe Beachtung zu. Wer wie viele unter Ihnen lange Jahre und Jahrzehnte mit Kindern gearbeitet und gelebt hat, der weiß wie wichtig diese Beachtung ist, die Beziehung bildet. Jesus stellt Kinder in die Mitte, rückt sie gewissermaßen in den Mittelpunkt und segnet sie. In biblischer Sprache wird ‚Kind’ als Bildwort verwendet, um eine enge, prägende Beziehung auszudrücken. Und um eine enge und prägende Beziehung für unser Leben geht es ja auch, wenn wir als Christen leben. Christus, der das Licht der Welt ist, spricht seine Jünger, aber auch uns darauf an, dass wir Licht der Welt sind. Sowenig wie eine Kerze sich selbst entzündet, sondern das Licht erhalten muss, um zu brennen, so benötigen auch wir das Licht des Lebens in Jesus Christus.

Viele derer, die damals gegen die menschenverachtende Ideologie und ihre Folgen tätig wurden, auf ihre Weise und nach ihren Möglichkeiten dem Rad in die Speichen griffen, konnten dies wohl nur durch ihre prägende und enge Beziehung im Glauben zu Jesus Christus tun. An ihnen konnte und kann man ablesen, ‚wes Geistes Kind’ sie waren. Sie taten dies nicht im Interesse der eigenen Person, sondern stellten sich in den Dienst der anderen: der Benachteiligten, Verfolgten, Unterdrückten, in Lager Verschleppten.

‚Kinder des Lichts’ sind Menschen, die sich ganz dem Licht verdanken. Wir alle kennen das – und Sie als Erzieherinnen allzumal – dass Kinder nicht nur die Namen, sondern auch die Gesichtszüge der Eltern oder Großeltern tragen. Mir ist dies persönlich vor vielen Jahren ganz bewusst geworden, als wir den Heimatort meines Vaters in Schlesien besuchten. Wir kamen in die Straße, in der sein Elternhaus stand, kamen ins Gespräch mit Menschen, die dort in der Nachbarschaft wohnten. Dann auch mit den Bewohnern jenes Hauses, die – ohne, dass wir ihnen schon etwas über die Verbindung zu diesem Haus gesagt hätten – uns direkt ansprachen: Ihr gehört hier in dieses Haus. An ihm – da war ich gemeint – sehen wir das. Wir haben alte Bilder gefunden. Sein Gesicht erkennen wir darin wieder.

Gilt dies auch für Christen? Sind auch Christen so erkennbar im Alltag? Sie sind es ganz gewiss, wenn sie wie Diakonissen eine Tracht tragen. Dann ist das unübersehbar. So auch bei Pfarrern im Talar oder bei manchen – vornehmlich katholischen – Pfarrern am Kragen. Es sind Menschen, die sich sehr bewusst für ihr Leben mit Christus entschieden haben und dies auch augenscheinlich nach außen tragen.

Doch wäre es viel zu wenig, wenn sich die Erkennbarkeit als Christin oder Christ nur an äußeren Kennzeichen festmachen würde. Es geht immer wieder darum, dass Menschen durchscheinend werden in ihrem Leben für das Licht, das Gott gibt. Wir können dieses Licht Gottes eigentlich nicht hören ohne jenes Wort aus dem 36. Psalm, welches lautet: „Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“ (Ps. 36,10)

Was es mit dem Licht auf sich hat, haben wir in den Worten gehört in die unser Wochenspruch eingebettet ist. Die Kinder des Lichts werden als geliebte Kinder angesprochen. Die Liebe Gottes bringt Licht in ihr Leben. Dieses Licht der Liebe Gottes verändert das Leben von Menschen. Menschen werden selbst ‚Licht im Herrn’ (V.8).  Durch das Licht Gottes wird erkennbar und klar, wie Gott es mit uns meint und wie Leben gelingen kann. Keine Habgier! Nichts sollen wir sagen, das andere herabsetzt. Kein dummes Gerede, keine zweideutigen Witze. Das ist nicht angemessen. Schaut hin und beurteilt, ob jemand euch mit leeren Worten, mit leeren Behauptungen verführen will. Ideologien, die solche hohlen Worte sind, widersteht! Bringt die Güte Gottes, seine Gerechtigkeit und seine Wahrheit in die Welt! So wird es licht in unserer Welt!

Manchmal können wir uns nur wundern – und staunen. Wenn Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt und der Apostel uns ermuntert als Kinder des Lichts zu leben, dann wird das wie eine Wirklichkeit in den Raum gestellt. Wir sind Licht der Welt. Wie können wir das verstehen?

Sehe ich mein Leben an, dann erkenne ich leider nicht nur Licht, sondern auch so manchen Schatten. Es will mir nicht so recht einleuchten, dass ich das Licht Gottes in die Welt trage, mit dem was ich bin und mit dem was ich tue. Mein eigenes Wesen ist nicht so licht, dass ich daraus allzu viel über mein Wesen als Kind Gottes, über meine Nähe zu der Quelle des Lichts, erführe. So ist es wohl am ehesten mit den Sternen zu verstehen: Können die sich wundern, dass von ihnen ein so helles Licht ausgeht? Ein Licht, das von ihnen nur deswegen ausgeht, weil es auf sie fällt.

Mögen wir bereit sein für das Licht, das von Gott her auf uns fällt. Mögen wir uns diesem Licht öffnen und mehr und mehr zu dem werden, was wir in Gottes Augen schon sind: Licht der Welt, seine Kinder.

Und möge durch uns und unsere Beziehung zu Gott seine Güte, seine Gerechtigkeit und Wahrheit mehr und mehr in die Welt hinein wirken und Menschenherzen erreichen und verändern.

Hoffen wir, dass wir, wenn es sein muss, wie jene, die uns im Glauben vorangegangen sind, auch bereit sind einen hohen Preis dafür zu zahlen. So wie unser Herr selbst einen hohen Preis gezahlt hat – für uns damit wir leben.
Amen.

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