Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Woschenschlussandacht am 31. August 2013

Pfarrer Wolfgang Scharf, Karlsruhe


Wochenspruch: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103, 2)


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde!

Sommerzeit. Noch liegt eine Woche Sommerferien vor den Schülerinnen und Schülern, vor Lehrerinnen und Lehrern, auch vor den Erzieherinnen nebenan in der Kindertagesstätte. Wohl jeder unter Ihnen wird sich an Ferienzeiten seines Lebens erinnern, mancher und manche auch an ganz aktuelle und erst kurz zurückliegende Ferien.

Schwester Karin und Schwester Hildegund sind seit vielen Jahren in ihren Ferien in den Bergen unterwegs. Mein Vater ist heute morgen in der Frühe aufgebrochen und am Nachmittag im Ötztal angekommen. Zum Urlaub in den Bergen gehört ein Rucksack. Und in diesen Rucksack wird je nach Dauer der Wanderung, die geplant ist, mehr oder weniger eingepackt. Es will bedacht sein, was hier eingepackt wird. S. Karin und S. Hildegund werden dies wissen, so gut wie mein Vater, dass unnötiges Gepäck nur Ballast ist, der getragen werden muss. Die Erfahrung lehrt es uns, was für die Wanderung wirklich nötig ist und was getrost zurück gelassen werden kann. Eine Erfahrung, die auch meine Tochter vor kurzem mit einer Freundin machte, als sie ein Wochenende unterwegs war. Zu Fuß, mit Zelt und Isomatte, Essen und Kocher und was so zu einer Übernachtung dazu gehört. Nach ihrer Rückkehr wusste sie, was bei der nächsten Tour nicht mehr mitgetragen werden muss.

Wie sieht es mit dem Rucksack unseres Lebens aus, den wir auf unseren Lebenswegen mitnehmen? Was haben wir dort hinein gepackt und packen wir immer wieder neu hinein? Sind es wirklich die Dinge, die wir tatsächlich brauchen? Oder schleppen wir uns mit so vielem ab, was nicht oder nicht mehr nötig ist?

Das Leben lehrt uns, dass wir den Rucksack unseres Lebens in den unterschiedlichen Lebensphasen mit unterschiedlich vielen Gepäckstücken bestücken. Und wir merken: manches von dem, was früher nötig war, kann getrost zurückbleiben und muss mich nicht weiter beschweren. Und es muss nicht immer ein Verlust sein oder als solcher empfunden werden, wenn ich mein Gepäck erleichtere und manches los– und zurücklasse.

Nicht nur mit materiellem Gepäck haben wir es in unserem Leben zu tun. Gefühle, Erinnerungen, Freude und Schmerz, Verlust, Verletzungen – so vieles sammelt sich im Laufe eines Lebens an und landet oft im Rucksack unseres Lebens. Und der Rucksack wird immer voller und schwerer.

Der Wochenspruch für den 14. Sonntag nach Trinitatis lädt uns geradezu ein, den Inhalt unserer Rucksäcke des Lebens durchzuforsten. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Ps. 103,2).

Wenn wir vor unseren leer geräumten Rucksäcken unseres Lebens sitzen, um das Gepäck neu zu sortieren, dann gehört dieses Psalmwort für mich unbedingt als Erstes zu dem, was ich mitnehmen will. Es ist ein Vers gegen eine langsam aufkommende, neblig eingetrübte Herbststimmung nicht nur des uns umgebenden Wetters. Es ist ein Vers, der mich aus dem Innern heraus lockt, ermutigt, ja auffordert die trüben Töne, die es in meinem Leben gibt, die vor mir ausgebreitet liegen, in ein Lob und einen Dank umzustimmen. ‚Seele’ kann auch mit ‚Kehle’ übersetzt werden und dann liegt das Singen ganz nah. ‚Nun lob, mein Seel, denn Herren ...’

Stück um Stück werde ich mein Lebensgepäck in die Hand nehmen. Wenn ich dabei singen kann, erhalte ich auf manches Gepäckstück einen anderen Blick. Hier habe ich – sorgsam verborgen vor den Blicken anderer und auch vor mir – ein Stück Schuld eingewickelt. Ein Gepäckstück, das so klein es auch am Anfang war über die Zeit immer schwerer in meinem Rucksack wurde – manchmal schier unerträglich.

Lobe den Herrn meine Seele ... den Herrn, der dir alle deine Sünde vergibt.

Ich kann es ablegen, zur Seite legen, in seine Hand hinein. Dieses Stück muss nicht mehr in meinen Rucksack mit hinein.

Ein nächstes Stück Leben fällt mir in die Hände: Trauer und Schmerz. Ich habe sie im Leben erlebt und erlitten. Eine schwere Bürde.

Lobe den Herrn meine Seele ... der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Lobe den Herrn meine Seele ... dessen Gnade von Ewigkeit zu Ewigkeit währt.

Keine Fröhlichkeit nach dem Motto ‚Es wird schon wieder!’. Eine Fröhlichkeit des Herzens durch den, der mein Herz anrührt. Eine Fröhlichkeit des Herzens durch den, der weiß, dass wir Staub sind und der uns seine Gnade spüren lässt. Seine Gnade, die in Jesus Christus Gestalt gewonnen und uns das Leben gebracht hat.

Beim Betrachten meines Gepäcks sehe ich wie mein Blick so leicht über Gelungenes in meinem Leben hinweggleitet und von dem Halbfertigen, dem Misslungenen oder Unguten in meinem Leben förmlich angezogen wird. Wie oft habe ich es für mich und manchmal auch vor anderen ausführlich dargestellt, ausgeschmückt. Das Gute aber war mir oft so Selbstverständlich, eine Erwartung, fast Forderung, dass das Leben und Gott mir dies schuldig sei.

Lobe den Herrn meine Seele ..., der sich wie ein Vater über Kinder erbarmt.

Ja, Gott ist wie ein guter Vater. Ein guter Vater, der weiß, was seinem Kind frommt, was seinem Kind gut tut. Ein guter Vater, der nicht alle Wünsche seines Kindes erfüllt, ein guter Vater, der aber sein Wort – seine Verheißungen – hält.

Und darum: Lobe den Herrn meine Seele!

Das also will ich in meinen Rucksack packen: das Lob Gottes und dann dazu auch so manche gute Erinnerung, die Dankbarkeit des Lebens und die Hoffnung, die – Gott sei Dank – Gewissheit werden darf: Gott ist bei mir am Morgen und am Abend und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Rucksack wird sich wieder füllen. Dieses Gepäck aber wird leicht sein und mich auf meinem Weg beflügeln. Und immer wenn das Leben und der Weg mir schwer werden, darf ich aus diesem Gepäck Nahrung für meine Seele entnehmen. Nahrung, die Kraft gibt, die mich daran erinnert, dass ich mein Leben nicht mir selbst verdanke, sondern meinem Gott.

Das Gepäck, das solche Nahrung ist, können Lieder des Lobens und Dankens sein, so wie wir sie in diesem Gottesdienst singen. Wenn Sie daran gehen Ihren Rucksack zu packen für die nächste Etappe, den nächsten Tag, dann vergessen Sie solche Lieder nicht mit einzupacken. Es lohnt sich und ist – wie gesagt – ein leichtes Gepäck. Lieder, die wir so mit uns tragen, sie sind ein gutes Gedächtnistraining. Für unser Gehirn, wie für unser Herz. Beide sollen den Dank und das Lob nicht vergessen an den, der die Quelle des Lebens ist.
Amen.

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