Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 28. Dezember 2013

Pfarrer Volker Fritz, Waldbronn / Karlsbad


Wochenspruch: Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, [eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.] (Joh. 1, 14)


Liebe Gemeinde,

von der Größe Gottes lesen wir in Psalmen und singen wir in Liedern:

„HERR, mein GOTT, DU bist sehr herrlich;
DU bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist DEIN Kleid, das DU anhast.“ Psalm 104

„Großer GOTT, wir loben DICH …“EG 331

Aber ich erlebe bei Begegnungen im Krankenhaus auch, dass Menschen Angst haben vor dem großen GOTT:
"Wenn ich an GOTT denke, denke ich an Strafe.
Ich wage gar nicht, meine Fragen und Probleme vor IHN zu bringen,
ER ist für mich einer, vor dem ich mich fürchte."

Unsere jüdischen Geschwister reden von Ihm voll Ehrfurcht:
der EWIGE, gepriesen sei er.

Unsere muslimischen Freunde glauben zu wissen:
ALLAH ist der Größte, unnahbar - fern.

Und von Martin Luther lesen wir:
Sorge und Angst umfing ihn, wenn er an seinen GOTT dachte.
Seine Frage war: "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott"?

Dem gegenüber steht die Botschaft, wie sie Lukas in kräftigen Bildern zeichnet,
die Johannes zusammenfasst in dem Satz:
Das Wort [Gottes] ward Fleisch …

In unseren Worten heißt das:
GOTT wird ein Mensch. Einer wie Du und ich!

In Worten der altchristlichen Tradition hört es sich so an:
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
8 Er erniedrigte sich selbst (Phil. 2)

GOTT kommt zu uns – auf Augenhöhe!
… und wohnte unter uns ...
Ein Mensch unter Menschen.
ER, für den es nach Lukas keinen Raum gab, in dem er unter menschlichen Verhältnissen zur Welt kommen konnte,
ER wird einer von uns!
Damit aber wird er auch verwechselbar:
wer erkennt in dem Bruder, in der Schwester schon Christus, den HERRN, in dem GOTT selbst uns begegnet?
ER, vor dem wir keine Angst mehr haben müssen!
Das ist die Botschaft der Engel an die Hirten: „Fürchtet euch nicht!“
Die Zeit, da ihr meintet, vor GOTT Angst haben zu müssen, ist vorbei – endgültig.
Ja, ER kommt Euch so nahe, dass ihr IHN manchmal gar nicht erkennt.
Ein Detail in der Weihnachtsgeschichte des Lukas hat mich darauf hingewiesen.
Die Hirten kommen zum Kind in der Krippe.
Und dann erzählt Lukas:
17 Als sie [die Hirten] es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus,
das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.
– erzählten sie, was zu ihnen von diesem Kind …
18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. (Luk. 2)

Selbst die Heilige Familie braucht die Botschaft, die die Hirten ausrichteten.
Sicher, Maria hätte es wissen können, aber – so meine Sicht der Erzählung – die ganze Tragweite dieser Geburt: GOTT wird in diesem Kind Mensch – haben alle erst durch die Engel erfahren.

Was Lukas uns damit vielleicht sagen will:
Wir brauchen immer wieder GOTTES Hilfe, um SEIN Wirken, SEIN Wohnen unter uns
zu erkennen.

Mach‘s wie GOTT, werde Mensch – war eine ADVENTSAKTION im SRH Klinikum:
Es gab eine Karte, gestaltet aus vielen menschlichen Gesichtern, auf der man – mit Abstand betrachtet – das Gesicht Christi erkennen kann.

In der Adventszeit werden wir darauf vorbereitet:
viele Geschichten erzählen vom unerkannten GOTT in CHRISTUS unter den Menschen:
z.B. Tolstoi’s Martin, der Schuster.
... und wir sahen Seine Herrlichkeit ...
Interessant: oft sind es Menschen in Niedrigkeit, in Not, in denen in diesen Geschichten
GOTT Menschen begegnet. Auch bei Martin dem Schuster ist es so.

SEINE Herrlichkeit – damit beschreibt Johannes Kreuz und Auferstehung Jesu Christi. Oder ausgedrückt in dem altchristlichen Lied des Philipperbriefes:
8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist. (Phil. 2)

Für Johannes – ähnlich wie dann für J.S. Bach – steht bereits das Kreuz über der Krippe.
(Wie soll ich Dich empfangen ... – Melodie: O Haupt voll Blut und Wunden …)

Lukas erzählt das in seinen Bildern:
Kein Raum, nur eine Futterkrippe als Babybett.
Eine Geburt am Rande der Gesellschaft.

Matthäus erzählt das weiter:
Sie finden IHN nicht im Palast, die Weisen aus dem Osten.
In der Niedrigkeit des kleinen Ortes Bethlehem, da finden sie IHN.
Seine Herrlichkeit ist nicht die Macht himmlischer Heerscharen, allenfalls himmlischer Chöre.
Seine Macht ist das Anrührende Neuen Lebens, dieses Kind, Mensch unter Menschen,
das mit uns lebt, leidet, ja stirbt.
Deshalb schreibt Johannes weiter von der Einzigartigkeit dieser Geburt:
… eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
– des einzigartig geborenen Sohnes.
Das ist das Besondere dieser Geburt, die aus allen Geburten dieser Welt herausragt und doch allem Neuen Leben eine neue Bedeutung gibt:
Gott nimmt alles, was Menschen erleben, ertragen und erdulden, auf sich:
das Leid der Kranken und Sterbenden hier, die Angst und das Leid der Geplagten in Syrien und der immer noch bangenden auf den Philippinen, der vom Bürgerkrieg gequälten in Afrika, ja jedes einzelnen Menschen.
Er kennt es, Er weiß darum.
Das ist – so Johannes – SEINE Herrlichkeit.
Da kann ich nur staunend stehen, an Seiner Krippe – und singen:
Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir's wohl gefallen. (EG 37)
Amen

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