Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 19. Juli 2014

Pfarrer Wolfgang Scharf, Karlsruhe

2. Thessalonicher 3, 1 – 5


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Gemeinde!

Wir stehen am Vorabend zum 5. Sonntag nach Trintiatis. Einer der vielen durchnummerierten Sonntage des zweiten Halbjahres des Kirchenjahres. Aber auch wenn dieser Sonntag keinen eigenen Namen hat, sondern nur eine Zahl, so hat er doch sein eigenes Thema. Die Bibeltexte für diesen 5. Sonntag nach Trinitatis befassen sich mit dem Thema ‚Nachfolge’.
Warum folgen Menschen Jesus nach? Warum ist ihnen Jesus wichtig?

In der Schriftlesung haben wir die Geschichte von Simon Petrus gehört, der seine Erfahrung mit Jesus machte.
„Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ So antwortet Simon Petrus auf die Aufforderung Jesu nochmals zum Fischfang auszufahren. Jeder Fischer, der das erlebte, konnte hier nur den Kopf schütteln. Denn jedem Fischer war klar: am Tage fängt man keine Fische! Nur in der Nacht, wenn die Kühle der Nacht die Fische an die Oberfläche des Sees steigen lässt, dann kann man Fische fangen.
Simon Petrus traut hier Jesu Wort mehr als seinen langjährigen Erfahrungen als Fischer. Und sein Vertrauen, seine Nachfolge, wird reich belohnt! Das Vertrauen auf Jesus lohnt sich! Dies sagt uns diese Geschichte.
Und sie lässt uns zugleich erkennen, wie tief der Schrecken der Selbsterkenntnis ist, angesichts der Heiligkeit von Jesus: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“
Vor Jesus erkennen wir wer wir sind: Menschen, die mit Stärken und Schwächen, mit Gelingen und Versagen, mit Schuld und Freude das Leben zu bestehen haben. Menschen, die auf Zuwendung und Liebe angewiesen sind und bleiben. Wie sehr wir auf liebevolle Zuwendung und Achtung angewiesen sind, das wissen wir Erwachsenen und das wird uns im fortschreitenden Alter noch spürbarer.
Auf dem Weg der Nachfolge sind wir nicht allein unterwegs. Wir sind – Gott sei Dank! – gemeinsam unterwegs mit Schwestern und Brüdern, sind Glieder der christlichen Gemeinde oder – wie hier im Hause Bethlehem – einer Lebensgemeinschaft.

Doch hören wir nun, was der Apostel Paulus uns als Gemeinde an Wünschen für sich und uns mit auf den Weg gibt in 2. Thess. 3, 1 – 5

1 Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch
2 und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.
3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.
4 Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten.
5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.

Aus diesen Wünschen nehme ich heute einen Wunsch heraus, um ihn näher anzuschauen.
Es ist das Gebet. Das Gebet ist eines der Kennzeichen der Gemeinde. So hören wir in der Apostelgeschichte über die Gemeinde: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg. 2, 42)
Wie steht es um unser Gebet? Sie werden im Laufe Ihres Lebens gewiss schon viele Meinungen über das Gebet und Beten gehört haben. Vielleicht überrascht es Sie: Beten ist – so las ich vor einiger Zeit in einem Bericht – ein ‚Megatrend’. Und weiter: „Aus den verschiedensten Richtungen kommen derzeit neue Anregungen und Gebrauchsanleitungen für diese uralte Form der Kontaktaufnahme mit dem Größeren, Höheren.“ Vom Anzapfen einer unendlichen Kraftquelle ist die Rede.
Verwundert reiben wir uns die Augen. Haben wir richtig gelesen, richtig gehört? Beten wird als Anzapfen einer unendlichen Kraftquelle verstanden, ist eines der großen Themen der Zeit? Ich meine schon, dass viele Menschen in einer Zeit von so unendlichen Möglichkeiten, in einer Zeit so großer Beliebigkeit wieder mehr nach Grundlagen und Quellen suchen, auf die sie ihr Leben bauen und aus denen sie ihr Leben speisen können.
So steht es uns als christliche Gemeinde gut an, über das Beten nachzudenken.
Sieben Schritte will ich heute mit Ihnen gehen und bedenken.

1. Schritt: Beten Sie ohne Grenzen
Sie kennen die häufig geäußerte Meinung – vielleicht zu manchen Zeiten in sich selbst:
Ich habe so viele Zweifel. Ich glaube nicht an Gott. Die größte Blockade beim Gebet sind unsere Vorstellungen. Viele Menschen wagen nicht zu beten, weil sie zu feste Erwartungen von einem Wunder haben, dessen Erfüllung sie sich nicht vorstellen können. Wagen Sie das Experiment!

2. Schritt: Tun Sie es für sich
Viele Menschen meinen: Beten ist immer ein Bekenntnisakt, etwa ein lautes Tischgebet im Restaurant. Doch denken wir daran: Jesus hat seinen Jüngern geraten, nicht öffentlich zu beten. Beten ist keine Demonstration, um andere Menschen zu beeindrucken. Wir denken dabei an das Gebet des Pharisäers und des Zöllners im Tempel. Beten ist ein Gespräch mit Gott. Freilich: andere Menschen dürfen es ruhig auch spüren, wie wichtig Ihnen das Beten ist.

3. Schritt: Finden Sie einen Ort des Gebets und Gebetszeiten
Es empfiehlt sich – und ich bin sicher, dass viele unter Ihnen dies schon so tun – sich bestimmte Zeiten des Tages für das Gebet zu nehmen und bestimmte Orte. Für manchen wird Ort und Zeit des Gebets am Anfang des Tages sein. Für andere an bestimmten Stellen während des Tages. Auch beim Autofahren, etwa beim Halten an der roten Ampel können wir beten. Bringen Sie das Gebet mit dem Ablauf Ihres Tages in Einklang. Wenn ich mich immer wieder überwinden und erinnern muss: Eigentlich wollte ich ja noch beten, dann wird es sehr schwer werden mit dem regelmäßigen Gespräch mit Gott.
Hier im Hause und in dieser Kapelle ist ein Ort des regelmäßigen und auch des gemeinsamen Gebetes.

4. Schritt: Beginnen Sie mit Danken
Häufige Meinung: Gebetet wird, wenn man ein Problem hat, und das bringt man dann vor („Stoßgebet"). Beginnen Sie gerade in Krisensituationen mit dem Danken.
Danken führt zum Denken, Danken ändert unsere Blickrichtung. So können wir aus der Anspannung in die Gelassenheit kommen. In diese Richtung weist uns der 103. Psalm: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.“ (Ps. 103, 2)

5. Schritt: Beten Sie aus dem Herzen
Häufige Meinung: Beten hat immer ein Ziel. Denken Sie daran: Es gibt ein reines Gebet aus dem Herzen. Wir sprechen doch mit Gott, der uns geschaffen hat. Es ist Gott, der ehe wir beten schon längst weiß, wessen wir bedürfen. Daran erinnert uns etwa jenes bekannte Jesajawort: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ (Jes. 43, 1)
Aber Gott will gebeten sein. Jesus fragte die Menschen, die ihn um Hilfe anriefen:
„Was willst Du, dass ich Dir tun soll?“ Sprechen Sie mit Gott aus reinem Herzen.

6. Schritt: Klagen Sie ohne Distanz
Auch unsere Klagen finden im Gebet ihren Platz und haben Raum. Machen Sie sich im Gebet Luft. Klagen Sie, seien Sie wütend, traurig, verzweifelt. Fressen Sie Gefühle nicht in sich hinein, sondern beten Sie sie heraus, bringen, ja werfen Sie sie Gott vor die Füße!

7. Schritt: Beten Sie ohne Worte
Wir meinen oft: Beten hat immer ein Ziel und braucht wohlgesetzte Worte. Befreien Sie sich von der Vorstellung, dass Beten im Kopf passiert. Beten Sie mit Ihrem Körper. Auch ein Spaziergang kann ein „Geh-Bet" sein: Jede Körperzelle dankt ihrem Schöpfer. Stellen Sie sich vor, wie jeder Ihrer Schritte „Danke" sagt und einen entsprechenden Fußabdruck hinterlässt.

Wie es einem Menschen mit seinem Gebet ergehen kann, hören wir abschließend mit folgender kurzen Geschichte.
„Eines Abends spät merkte ein armer Bauer auf dem Heimweg vom Markt, dass er sein Gebetbuch nicht bei sich hatte. Da ging mitten im Wald ein Rad seines Karrens entzwei und es betrübte ihn, dass dieser Tag vergehen sollte, ohne dass er seine Gebete verrichtet hatte. Also betete er: ,Ich habe etwas sehr Dummes getan, Herr. Ich bin heute Früh ohne mein Gebetbuch von zu Hause fortgegangen, und mein Gedächtnis ist so schlecht, dass ich kein einziges Gebet auswendig sprechen kann. Deshalb werde ich dies tun: Ich werde fünf Mal langsam das ganze ABC aufsagen, und du, der du alle Gebete kennst, kannst die Buchstaben zusammensetzen und daraus die Gebete machen, an die ich mich nicht erinnern kann.' Und der Herr sagte zu seinen Engeln: ,Von allen Gebete die ich heute gehört habe, ist dieses ohne Zweifel das beste, weil es aus einem einfachen und ehrlichen Herzen kam.'“

Mögen wir beständig im Gebet, im Gespräch mit Gott bleiben und im Gebet füreinander vor Gott eintreten.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn und Heiland.
Amen.

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