Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 20. September 2008

Pfarrer Wolfgang Böhmig, Karlsruhe

Epheser 5, 15 – 20


Liebe Mitchristen!

Programme und Ratschläge zu einer weisen Lebensführung zu einem vernünftigen Lebenswandel gibt es überall und zu allen Zeiten: seit der Zeit der griechischen und biblischen Weisen bis zu den heutigen RatgeberSpalten in den Medien. Es ist allerdings nicht immer neu und auch nicht immer weise, was wir da zu hören und zu lesen bekommen; manches kommt mir vor wie der so–und–so–vielte Aufguss eines längst ausgelaugten Teebeutels: dünn und kraftlos. Da sind die 10 Gebote im AT der Bibel allemal kräftiger und griffiger, und genauso die Lebensempfehlungen der Apostel im NT:

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr – als Getaufte, als Menschen im Licht Gottes – euer Leben führt! Und begreift, was der Wille des Herrn ist! Nutzt eure Lebenszeit, denn die Zeit ist böse!

Vielleicht muss man ja erst alt werden, wie ich es jetzt auch bin – vielleicht muss man auch erst durch schwere Lebenserfahrungen gegangen sein wie ich in den letzten 12 Monaten, um die biblischen Ermutigungen zu einem weisen Leben zu verstehen und zu schätzen. Dabei entdeckt man dann, dass im AT die Weisungen und Gebote Gottes unter der Überschrift stehen:
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen...
Wohl denen, die im Gesetz des Herrn wandeln!

Im NT heißt es entsprechend:
Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!

In unserem jugendlichen Freiheitsdrang und in unserem protestantischen Aufbegehren gegen angeblich un–evangelische Gesetzlichkeit haben wir dieses „wohl euch“ und dieses „selig seid ihr“ meist überhört.
Heute, mit unserem Alter und unserer Erfahrung, hören wir das – Gott sei Dank – doch wieder.

Als die apostolischen Briefschreiber des NT an ihre Glaubens–Erörterungen jedes Mal auch Ermahnungen zu einem christlichen Lebenswandel, so genannte „Paränesen“, anfügten, da haben sie auch damals keineswegs immer eine ganz neue Moral erfunden; sie waren ja auch Kinder ihrer Zeit und predigten und schrieben für ihre Zeitgenossen. Und sie wussten sehr wohl, dass es zwischen Mose und Jesus noch andere weise und fromme Leute gegeben hatte. – Es gibt aber ein eindeutiges biblisches Markenzeichen für die Lebensregeln und Paränesen im AT wie im NT:
Die Gottesfurcht, der Wille Gottes, unseres Schöpfers und Herrn über alles Leben und die ganze Welt.

Die Theologin Dorothee Sölle hat vor einigen Jahren in einem Brief an ihre Kinder geschrieben: „Vergesst das Beste nicht! Ich meine damit, dass ihr Gott manchmal lobt, ..., wenn ihr glücklich seid, so dass das Glück ganz von selbst in Dankbarkeit fließt und ihr „Halleluja!“ singt. ... Eins von euch hat einmal beim Besuch einer scheußlichen Kirche, in die wir euch immer bei Reisen schleppten, trocken gesagt: „Ist kein Gott drin!“ Genau das soll in eurem Leben nicht so sein, es soll „Gott drin sein“, am Meer und in den Wolken, in der Kerze, in der Musik und – natürlich – in der Liebe.“

„Es soll Gott drin sein!“ – das ist das Kennzeichen eines christlichen Lebenswandels. Und dieses Motto steht fast wörtlich auch in unserem heutigen Predigttext aus dem Epheserbrief: Lasst euch vom Geist Gottes erfüllen!
Und ich verbinde das mit dem Satz Jesu: Wovon dann euer Herz voll ist, davon wird euer Mund überfließen. Wenn „Gott drin ist in euch“, in euren Herzen und Gedanken, dann werdet ihr wie von selbst Gott loben und Ihm danken mit Psalmen und Geistlichen Liedern.

Lasst euch vom Geist Gottes erfüllen – das machen wir nicht selber, das geschieht an uns – von Gott aus; und darum singen wir Christen – nicht nur an Pfingsten –: „Komm, heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen!“. Denn Gott hatte ja schon in alttestamentlicher Zeit seinem Volk versprochen: Ich will ausgießen von meinem Geist auf alle Menschen!

Wenn wir dieses Erfüllt–werden vom Geist Gottes auch nicht selber machen können, so können wir uns doch dafür bereithalten – oder auch dagegen verschließen: Überlegen Sie doch einmal, was wir täglich lesen, hören und in uns hineinlassen an Bildern.

Martin Luther empfahl uns Christen, wir sollten jeden Tag mit dem Kreuz–Zeichen und dem Morgengebet beginnen: „Ich danke dir, mein lieber himmlischer Vater ...“ – Oder lesen Sie jeden Morgen vor dem ersten Schluck Kaffee das Herrnhuter Losungswort für den Tag und sprechen Sie es laut nach: Das wird dann schon wirken – wie ein guter Kaffee! – Oder summen Sie, singen Sie, pfeifen Sie ein Morgenlied oder eine Dank–Strophe: Wir sind doch nun Kinder des Lichts! Also lasst uns als solche leben!

„Dass Gott drin ist“ – dieses Motto lädt uns auch ein, die Momente der Gegenwart Gottes in unserem Leben zu entdecken,und davon dann auch zu reden: privat und auch öffentlich. –

Ich wage es heute, Ihnen von mir persönlich zu erzählen:
Vor einem halben Jahr, am 7. Tag nach meiner schweren Krebs–Operation, las ich im Losungsbuch: Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen und mich mit Freude ungürtet, damit – und nun kommt’s – damit ich dir lobsinge und nicht stille werde!

Ich verstand das als Gottes Antwort auf mein Fragen und Grübeln, wozu ich – nach dem Tod meiner Frau – überhaupt noch weiterleben sollte. Am selben Tag erfuhr ich, dass die Ärzte meine Operation als „erfolgreich“ ansahen.

Singt und psalmodiert Gott aus vollen Herzen und sagt Ihm Dank allezeit und für alles! – heißt es hier in der Lebensanweisung des Apostels.
Matin Luthe hat dazu gesagt: „Wir können vor Gott kein größeres Werk tun noch einen edleren Gottesdienst erzeigen, als ihm danken.“ Und erfahrungsgemäß gelingt das Loben und Danken besser in der Gemeinschaft als allein; darum schrieb der Apostel, wir Christen sollten einander die Psalmen und Danklieder zusingen und zusprechen, was wir darum auch in jedem Gottesdienst hier tun. – Wie das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis auch mich mitträgt, wenn ich heute nicht alles mitsprechen will oder kann, so trägt mich auch – sogar in der Trauer und Schwermut – das gemeinsame Singen und Danken: Als Getaufter und von Gott bejahter Mensch gehöre ich nämlich mit in die große Lob–und–Dank–Gemeinschaft seiner Kirche und kann beim Singen entdecken, dass „Gott drin ist“ auch in meinem Leben.
Amen.

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