Evangelisches Diakonissenhaus Bethlehem

Predigten

Wochenschlussandacht am 24. Januar 2009

Schwester Hildegund Fieg

Jahreslosung – Lukas 18, 18 – 27

Die Gefahr des Reichtums – Der reiche Jüngling

Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!« Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend auf.
Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich.
Als aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme. Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden? Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

„Den Himmel auf Erden“ – das verspricht uns die Werbung z.B. beim Genuss eines bestimmten Frischkäses, beim Kauf einer besonders ergonomisch geformten Matratze, beim Aufenthalt in einem Wellness–Hotel. Reklamesprüche gaukeln uns vor, dass glückliches und erfülltes Leben – eben der Himmel auf Erden – aus mehr Geld, besonderen Luxusartikeln, größerem Besitz, Erfolg im Beruf und hohem Ansehen besteht.

In unserer biblischen Erzählung kommt ein Mann zu Jesus. Er ist ein gebildeter Mensch, er hat Erfolg im Beruf. Als „Oberer“, wie Lukas ihn bezeichnet, genießt er ein hohes Ansehen und eine gewisse Macht. Wahrscheinlich war er Vorsteher einer Synagoge oder Pharisäer. Finanzielle Sorgen kennt er nicht. Angenehme Wohnverhältnisse zeugen von einem hohen Lebensstandard. „Er hat es zu etwas gebracht“, würden wir heute sagen. „Er hat seine Schäfchen im Trockenen“.
Seine Stellung, sein Ansehen, seine gute Ausbildung haben ihn jedoch nicht überheblich oder hochmütig gemacht. Er hat noch Fragen, Fragen an das Leben, an seinen Sinn, an sein Ziel. Er, der im Leben schon viel erreicht hat, fragt nach dem Unvergänglichen, nach dem ewigen Leben, nach dem, was über all unsere Anstrengungen hinausgeht. „Wie kann mein Leben wirklich gelingen? Wie kann ich ein erfülltes, ein zufriedenes, ein friedevolles Leben führen, dessen Ziel nicht der Himmel auf Erden, sondern das Leben im Himmel, das ewige Leben ist?

Und mit diesen Fragen kommt er zu Jesus. „Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“
„Was muss ich tun?“ Diese Frage signalisiert Einsatzbereitschaft. Er ist bereit, aktiv zu werden, Aufgaben zu erfüllen, Leistungen zu erbringen. Er ist bereit, etwas einzusetzen, um sich das ewige Leben zu verdienen.
Jesus verweist ihn zunächst auf die Gebote.

Obwohl mir diese biblische Geschichte sehr bekannt ist, überrascht es mich immer wieder, wie ein Mensch von sich sagen kann: „Die Gebote habe ich gehalten von Jugend auf.“ Dieser Obere sagt es mit echter, innerer Überzeugung. Von klein auf lernte er die jüdischen Gesetze und Gebote. Die Religion und Kultur prägten und beeinflussten seine Entwicklung. Sicherlich hält er sich an die Speisegebote, übt sich im Fasten, gibt Almosen. Aber über all diese Gesetzeserfüllung hinaus sehnt er sich nach einer letzten Sicherheit.

Jesus stellt ihn und seine Selbstgerechtigkeit nicht in Frage. Aber er will ihn weiter führen, ihn tiefer das Geheimnis der Nachfolge erfahren lassen. Deshalb antwortet er ihm: „Eines fehlt dir noch! Verkaufe, was du hast und gib’s den Armen und komm und folge mir nach!“

Die letzte Sicherheit, die können wir uns nicht verdienen. Wir können uns selbst nicht erretten. Die letzte Sicherheit für ein ewiges Leben finden wir nur, wenn wir uns ganz auf Jesus verlassen, wenn wir uns ganz und gar von Gottes Gnade, seiner Liebe und seiner Barmherzigkeit abhängig machen, uns nicht mehr auf uns selbst, unser Können und unsere Leistungen verlassen. Darauf weist uns Paulus im Epheserbrief (2,8) hin, wenn er sagt: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken.“
„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Gott macht aus uns, aus Sündern, Gerechtfertigte.

Wie reagiert der wohlhabende Mann auf die Antwort Jesu?  –  Er wendet sich ab! Traurig zieht er davon. Doch Jesus lässt ihn, und er lässt uns, nicht ohne Hoffnung. „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ Jesus entlässt ihn nicht in die Trostlosigkeit, versagt ihm nicht den letzten Hoffnungsschimmer, sondern er verweist auf den Reichtum der unermesslichen Möglichkeiten Gottes: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“

Ein Jahr lang soll uns die Verheißung begleiten: Gottes Möglichkeiten sind nicht zu übertreffen, sie sind grenzenlos. Wenn das nicht Mut macht, sich auf seine Wege einzulassen! Ihm ist kein Ding unmöglich! Das erfahren wir zum Beispiel, wenn wir uns mit der Lebensgeschichte von biblischen Gestalten befassen. 

Da ist Abraham. Er hatte Gottes Verheißung auf eine große Nachkommenschaft. Jahre vergehen, ohne dass sich diese Verheißung erfüllt. Er und seine Frau Sara werden älter und schließlich ist Sara – menschlich gesehen – nicht mehr in der Lage, ein Kind zu bekommen. Und da handelt Gott. Sara und Abraham bekommen Besuch von drei Gottesboten, die die Geburt eines Kindes ansagen. Sara lauscht vom Zelt aus dem Gespräch, lacht und sagt: „Völlig unmöglich!“ Doch die Männer, die Saras Zweifel und ihr Lachen erkennen, verweisen auf Gottes Größe und Allmacht. „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ Ein Jahr später wird Isaak geboren.

Ein zweites Beispiel, tausend Jahre später geschehen, berichtet uns das Lukasevangelium. Wieder überbringt ein Bote Gottes eine Nachricht.  Eine junge Frau in Nazareth, Maria, wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß?“, fragt Maria. Und der Engel antwortet: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich!“

Abraham hat das vor 3000 Jahren erlebt, Maria vor 2000 Jahren. Und wir heute?

Ich denke an eine Frau aus unserem Bekanntenkreis. Als sie mit ihrem sechsten Kind schwanger ist, erhält sie die Diagnose Krebs. Um das Leben des ungeborenen Kindes nicht zu gefährden, verzichtet sie zunächst auf eine Therapie. Immer wieder erlebt sie und erlebt ihre Familie Gottes Möglichkeiten. Und so kann sie ihr jüngstes Kind noch zwanzig Jahre lang begleiten. „Bei Gott ist kein Ding unmöglich!“

Vielleicht kann mancher von uns im Rückblick auf sein Leben davon erzählen, wie Gott Unmögliches möglich gemacht hat. Erzählen wir es weiter und ermutigen wir uns gegenseitigseitig diesem Herrn und seinen Zusagen zu vertrauen.
Amen.

Coypright Diakonissenhauses Bethlehem, Karlsruhe
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